Buchpräsentation
Christ in der Gegenwart, 18. Oktober 2009 (CiG 42/2009, S. 474)
Knapp, Andreas / Wolfers, Melanie: Glaube, der nach Freiheit schmeckt
Eine Einladung an Zweifler und Skeptiker
Das Buch besticht durch die Kombination aus Leichtigkeit und Tiefsinn. Fast plaudernd führt es an die christlichen Glaubensgeheimnisse heran: kurze Sätze, witzige Wendungen, zahllose Vergleiche, Klarheit der Gedankengänge auch für jene, die sich bislang nicht mit religiösen Fragen auseinandergesetzt haben, Verzicht auf dogmatische Fachbegriffe. Im Unterschied zu mancher Bekenntnisliteratur, die sich am eigenen Wortwitz berauscht, sich mit dem persönlichen Zeugnis begnügt oder religiöse Problemfelder ausspart oder glättet, bleibt dieses Buch argumentativ. Es ist theologisch dicht, religionsphilosophisch gesättigt und im Hinblick auf die religiösen Fragen auf der Höhe der Zeit.
Fördert der Ein-Gott-Glaube Gewalt? Lassen sich Evolution und Schöpfungsgedanke verbinden? Wer war Jesus? Keinen Geringeren als den Evolutionsbiologen Richard Dawkins und seine atheistischen Weggefährten haben sich die Autoren als Gegenspieler ausgesucht. Dabei machen sie atheistische Positionen nicht lächerlich, sondern verfahren strikt nach dem Motto: These - Gegenthese. Auch Denkmodelle anderer Religionen werden kurz vorgestellt. Das Leben Jesu wird über weite Passagen paraphrasierend nacherzählt. Durch die gegenseitigen Kurzinterviews erfährt der Leser vom Glaubensweg der Autoren.
Andreas Knapp ist Priester, der sich nach Tätigkeiten als Studentenpfarrer und Direktor des Freiburger Priesterseminars den „Kleinen Brüdern vom Evangelium" anschloss, längere Zeit in Bolivien arbeitete und heute mit zwei Mitbrüdern in einer Plattenbausiedlung in Leipzig lebt. Melanie Wolfers ist als Salvatorianerin in Wien unter anderem in der Bildungsarbeit tätig. Man merkt dem Buch an, dass es im Kontext atheistischen Denkens entstanden ist und dass es sich besonders auch an nachdenkliche Nichtglaubende richtet.
Michael Schrom




