In einem seiner Briefe aus der Haft lehnt Dietrich Bonhoeffer eine "positivistische Offenbarungslehre" als unbiblisch ab, "wo es dann heißt: friss, Vogel, oder stirb". Das richtet sich gegen den Versuch, Menschen zum Glauben an eine Offenbarung zu drängen mit dem Argument, dass sie wahr sei und befolgt werden muss, weil sie von Gott kommt.
Diese Kritik gilt auch den christlichen Kirchen, wenn sie den Glauben darauf zurückführen, dass Jesus Christus Gott und Mensch sei und sich daher in ihm Gott selbst mitgeteilt habe. Paul Weß zeigt auf, dass es sich dabei um einen Zirkelschluss handelt, der das Wesen des Fundamentalismus in jeder Offenbarungsreligion ausmacht. Christlicher Glaube beruht jedoch, ähnlich wie das mitmenschliche Vertrauen auf Erfahrung und Deutung - so die Argumentation dieses Sammelbandes, in dem sich Weß auch auf den biblischen Bericht beruft, demzufolge Jesus Christus nicht erwartet habe, dass man an ihn als Gott glaubt, sondern den Menschen eine eigene Einsicht in die Wahrheit seines Zeugnisses von Gott zumutet und zutraut.